Digital Detox – Befreit den Geist und stärkt die Gesundheit

Henrik Overmann

Digital Detox in der Freizeit liegt im Trend. Doch aus dem Berufsalltag lassen sich Smartphone, Laptop und Co nicht mehr wegdenken. Dabei kann es sich durchaus lohnen, sich mitunter am Arbeitsplatz eine digitale Pause zu gönnen.

 

Eine Woche Marokko, eine Woche Entspannung, Sonne, surfen. Das war unsere Intention, als meine Freunde und ich uns für das kleine Surfcamp an der Atlantikküste entschieden haben. Auf der Facebook-Seite der kleine Hinweis: „No Wifi“, doch egal, raus aus dem tristen deutschen Februarwetter und rein in die warme Sonne Marokkos. So kam es, dass beim Abflug in Deutschland der Flugmodus eingeschaltet und erst eine Woche später wieder ausgeschaltet wurde.

Die Zeit dazwischen – Stille. In unserer Unterkunft wurden wir von einem braungebrannten Marokkaner namens Cava in Empfang genommen und er eröffnete uns den wohl atemberaubendsten Blick auf das Meer und die entspannteste Woche seit langem.

Die ersten Handys wurden gezückt, die ersten Fotos geschossen und gepos… nein nichts wurde gepostet, kein Whatsapp-Foto an die Familie, der Insta-Feed blieb leer und das Video wie Torsten zum hundertsten Mal vom Surfboard gefallen ist, hat es auch nicht auf Facebook geschafft.

Stille. Eine Stille die man seit langem nicht mehr erfahren hat. Eine Stille von der man nicht wusste, dass es sie noch gibt, denn nicht erreichbar sein, heißt ja man könnte etwas verpassen und wenn man nicht mehr up to date ist, dann… ja was dann? Die Antwort ist für viele ernüchternd, denn in den meisten Fällen passiert: nichts.

Herr Müller der einen Bericht von Ihnen haben will macht ihn halt selbst, der Kunde der nach einem Workshop fragt, wird von Lisa beraten: das Geschäft läuft auch ohne Sie weiter, wie auch der Rest der Welt!

Vielleicht fragen Sie sich bisher, was dieser Urlaubsbericht mit Great Place to Work zu tun hat und ob Digital Detox nicht in einer globalen, immer mehr digitalisierten Welt nicht eher ein Rückschritt als ein Fortschritt ist. Ich möchte Ihnen aber zeigen, was Sie als Arbeitgeber aus diesem Thema für Ihr Unternehmen ziehen können.

Digital macht unsere Arbeit besser

Als Erstes: Smartphones, Internet und digitale Technologien haben einen enormen Nutzen. Der Computer ist inzwischen ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Arbeitswelt geworden und das ist auch gut so. Doch wie bei vielen Dingen im Leben, ist auch beim Thema Bildschirmnutzung der Mittelweg die Lösung. Denn einerseits wünscht sich niemand die Zeiten der Schreibmaschinen und Rechenschieber zurück, andererseits birgt der Umgang mit Computern, Risiken denen sich viele Arbeitgeber und auch Arbeitnehmer nicht bewusst sind.

Mehr Zeit am Bildschirm steigert nicht zwangsläufig die Lebensqualität

Die durchschnittliche Smartphone-Nutzung beträgt momentan 3,25 Stunden pro Tag. Für viele junge Menschen sogar deutlich mehr. Und wenn man sich mal ehrlich fragt, wie viel dieser täglich am Smartphone verbrachten Zeit wirklich gewinnbringend ist, stellt man häufig fest, dass dies heute vielleicht nur das kurze Telefonat mit der Mutter war. Die restlichen 3 Stunden weiß man eigentlich auch nicht so genau was man da gemacht hat. Hochgerechnet sind es 9 Jahre, die ein Mensch durchschnittlich mit oftmals sinnloser Smartphone-Zeit verbringt.

In einer normalen Arbeitswoche sind es durchschnittlich sogar sechs Stunden vor einem Screen. Das kann sich auf die Gesundheit auswirken. Mögliche Folgen: Schlafstörungen, trockene Augen, verschwommene Sicht bis hin zu Herzproblemen. Und damit sind nur die physischen Probleme abgedeckt. Zu viel Bildschirmnutzung kann sogar zu Depressionen führen oder einer Handysucht. Betroffene geraten in Panik wenn Sie nicht mehr erreichbar sind.

Grund genug, um als Arbeitgeber dieses Thema aktiv zu gestalten und Mitarbeitende zu einem angemessenen Umfang mit digitalen Technologien zu motivieren.

Dazu gehört auch die gelegentliche Auszeit von Bildschirmen jeglicher Art. Dies macht uns am Ende gesünder, kreativer und konzentrierter.

Digital Detox in der Arbeitswelt

Natürlich liegt es letztlich an den Arbeitnehmern selbst, ob Sie das Smartphone mal ausschalten oder sich eine Bildschirmpause gönnen, aber der Arbeitgeber kann durch verschiedene kleine Maßnahmen einen positiven Einfluss auf seine Mitarbeitenden nehmen.

Als effektiven Quick Win, „zwingen“ manche Unternehmen ihre Mitarbeitenden zu einer kurzen Bildschirmpause einmal die Stunde. Eine sehr einfache, aber nützliche Maßnahme um den Tunnelblick, der sich nach längerer Zeit einstellt, zu vermeiden. Ebenfalls sinnvoll ist die Subventionierung von Bildschirmbrillen, um das dauerhafte Starren auf die viereckigen Displays angenehmer zu machen.

Weniger direkt, aber umso informativer sind verpflichtende Seminare für alle Mitarbeitenden, die über die gesundheitlichen Folgen der digitalen Bildschirmwelt aufklären und die Vorzüge einer Auszeit aufzeigen. Viele Mitarbeitende sind sich über die Folgen der digitalen Welt gar nicht bewusst. Wissen ist hier der Schlüssel, um Mitarbeitende zur Selbsthilfe zu bewegen.

Unterstützend ist das Angebot der bewegten Mittagspause. Raus aus dem Büro, rein in die Natur, denn nur 20 Minuten an der frischen Luft helfen, mehr als eine Tasse Kaffee. Einzige Voraussetzung: Das Smartphone bleibt im Büro.

Mut zur Nicht-Erreichbarkeit

Besonders auf Führungsebene ist Nicht-Erreichbar sein in vielen Unternehmen ein absolutes No-Go. Viele Leser dieses Artikels werden den Satz: „Es kann doch nicht sein, dass ich seit Stunden Herrn XY nicht erreiche, was macht er eigentlich die ganze Zeit?“ kennen. Inzwischen ist es so weit gekommen, dass Geschäftsführer selbst im Urlaub Anfragen bearbeiten und ihr Stresslevel nicht herunterfahren können.

Um dieses Phänomen zu vermeiden sind zwei grundlegende Aspekte notwendig: Verständnis schaffen und Verantwortung verteilen.

Mitarbeitende die verstanden haben, dass eine Auszeit von der Medienlandschaft, sich positiv auf das Arbeitsklima und die Gesundheit auswirken, können auch besser nachvollziehen, wenn der Chef nicht mehr abends für Geschäftsanfragen zur Verfügung steht. Arbeitsstile respektieren und kommunizieren, kann hier ein Schlüssel sein, um Unmut zu vermeiden.

Ein weiterer Punkt ist gegenseitiges Vertrauen zwischen Führungskraft und Arbeitnehmer. Denn wer statt nachzufragen, sein Projekt selber in die Hand nimmt, der wird gar nicht erst durch langwierige Abstimmungen aufgehalten. Dazu muss die Führungskraft Verantwortung auch abgeben können. Denn dadurch wird sie nicht nur entlastet, sondern ihre Mitarbeitenden empfinden eine besondere Wertschätzung. Vertrauen statt Kontrolle ist hier das Stichwort.

Fazit

Wie man sieht, müssen Sie nicht direkt mit der ganzen Belegschaft nach Marokko fliegen um Ihren Mitarbeitenden und auch sich selbst die Möglichkeit zur digitalen Entgiftung zu geben. Kleine Anreize können manchmal große Wirkungen haben.

Wer allerdings nach Lesen dieses Artikels, Lust auf ein bisschen Sonne bekommen hat: Derzeit sind in Agadir 27°C, es weht ein leichtes Lüftchen und es riecht nach salziger Meeresluft und frisch geernteten Orangen.



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