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„Thinking Environments“: Gesund arbeiten in unsicheren Zeiten

Der Ansatz des „Thinking Environments“ von Nancy Kline ist ein möglicher Zugang, um die aktuelle Krise als Chance und als Lernfeld zu nutzen. 

Einen Denkraum schaffen, um die aktuelle Ausnahmesituation als Lernfeld und Chance zu nutzen

Seit Wochen befindet sich Deutschland wie so viele Länder im Ausnahmezustand – in einem Zustand, wie es ihn noch nie zuvor gegeben hat. Die veränderte Situation hat viele überrascht, sie kam nicht geplant oder vorhersehbar. Und so fühlten sich viele durch die kurzfristigen und einschneidenden Veränderungen besorgt, verängstigt und gestresst. Auf die Schnelle müssen in Politik, Unternehmenskontext und im Privaten Entscheidungen getroffen werden. Für ausgiebige Informationssuche und Bildung einer soliden Entscheidungsgrundlage ist da wenig Zeit. So müssen trotz großer Unsicherheit unter Zeitdruck weitreichende Entscheidungen gefällt werden. Das führt wiederum zu unangenehmen Gefühlen. Dies ist typisch für die Bewältigung von Problemen in komplexen, vernetzten, intransparenten und dynamischen Situationen.

Die Vollständigkeit der Informationssammlung steht entgegen dem Handeln unter Zeitdruck: Das führt zu unangenehmen Gefühlen und Stress beim Entscheiden!

Diese Kriterien sind allesamt Kriterien die generell auf die heutige Arbeits- und Lebenswelt zutreffen, auch bekannt als die VUCA-Welt. Wobei die Buchstaben (hier auf Deutsch übersetzt) für volatil, unsicher, komplex und ambivalent/mehrdeutig stehen. Vielfach erleben wir zum jetzigen Zeitpunkt eine Überforderung aufgrund der Vielfältigkeit der Bedingungen und Problemen, die sich akut ergeben: Familie, Beruf, das eigene Team, Freundeskreis, Kunden, berufliche Kontakte, Nachbarn…für alle Bereiche wird nach Lösungen gesucht.

Menschen fühlen sich verunsichert, bedrückt, gehetzt und überlastet, sie haben Angst vor Fehlentscheidungen und unangenehmen Folgen. Dadurch können viele aktuell schlecht schlafen, machen sich Sorgen beim Einschlafen, verbringen viel Zeit beim Grübeln, ziehen sich zurück und fühlen sich körperlich und emotional stark unwohl.

Was kann man nun akut als Führungskraft, Teamleiterin oder Kollege tun? Wie kann man als Vater, Schwester oder Nachbarin wirksam werden und unterstützen?

Eine der wohl wirkungsvollsten Handlungen, für die man sich aktuell entscheiden kann, um in dem Moment ad‘hoc etwas Hilfreiches tun zu können, wird im Folgenden vorgestellt. Keine Vorbereitung oder Mittel werden benötigt, sie ist sofort einsetzbar und tut einem selbst als auch dem jeweiligen anderen in wenigen Augenblicken nachhaltig gutes.

Es geht um das aufmerksame Nachfragen, das wertschätzende Zuwenden, das achtsame Zuhören, die nicht-infantilisierende Unterstützung. Dies bewirkt eine Stärkung von Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeitsgefühl, von Mut und Zuversicht und den Abbau von Gefühlen der Angst, Hilflosigkeit und Überforderung.

Die Methodik geht auf Nancy Kline zurück. Als international tätiger Coach und Personalentwicklerin arbeitete sie über Jahre an der Philosophie von zielführender und effektiver Kommunikation. Ein „Thinking Environment“ ist nach ihrer schritthaften Methodik eine Lernumgebung, in der Menschen aufmerksam, wertgeschätzt, entspannt, ermutigt, vielfältig kreativ und ergebnisoffen denken können und dürfen.

Sich Zeit zum Denken zu nehmen bedeutet Zeit zum Leben zu gewinnen. - Nancy Kline

Eine solche Denkumgebung kann man mit 6 Schritten erreichen.

1. Deine Hauptaufgabe als Denk-Partner ist es, der anderen Person einfach nur zuzuhören, ohne zu unterbrechen, einzuhaken, zu ergänzen oder übermäßig Feedback zu geben. Starte mit einer relevanten Fragestellung und höre aufmerksam zu. Derartige Fragen könnten aktuell sein:

  • Was lief in der letzten Woche besonders gut bei Ihnen?
  • Wie müsste sich Ihre Arbeit verändern, damit sie genau richtig für Sie wäre?
  • Was haben Sie letzte Woche über sich gelernt?
  • Bei all den Veränderungen, wie geht es dir damit?
  • Wozu ist die neue Situation hilfreich?

Die andere Person darf ungestört sprechen. Auch wenn die oder der Denkende irgendwann aufhört zu sprechen, ist die Person manchmal noch nicht fertig mit Denken. Frage nach «Was denken oder fühlen Sie noch dazu? Gibt es noch etwas?».

2. Bestätigt die Person dann, dass es nichts mehr zu sagen gibt, frage nach dem Ziel. Frage, was die am Ende herausbekommen möchten, wenn sie genug geredet und nachgedacht haben, beispielsweise «Was wollen Sie zum jetzigen Zeitpunkt erreichen?» oder «Was wollen Sie mit Ihren neuen Erfahrungen erreichen?»

3. Danach geht es daran, die dahinterstehende einschränkende Annahme herauszufinden. Die Annahme, die die Person davon abhält, das zu erreichen, zu integrieren, zu starten, was sie in 2. als Ziel formuliert haben. Beispiel: «Was sind die Annahmen, die Sie davon abhalten … zu erreichen?»

4. Wenn man als Zuhörer nun das Ziel und die einschränkende Annahme erfahren hat, stellt man die auflösende Frage (engl. „Incisive Question“): «Wenn Sie wüssten, dass (Gegenteil der einschränkenden Annahme), welche Ideen hätten Sie dann in Bezug auf Ihr Ziel? » Beispiel im Kontext: «Wenn Sie wüssten, dass Sie der/die Einzige sind, die/der wirklich Kontrolle über Ihr Leben hat, was würden Sie dann tun, um gleichzeitig ein erfolgreicher Berater und ein fürsorglicher Vater zu sein?»

5. Wenn ihr Gesprächspartner fertig mit ihren/seinen Ideen ist, bitte sie/ihn ruhig sich die auflösende Frage zu notieren. Dies erhält auch nach dem gemeinsamen Denk-Gespräch noch die positive Wirkung.

6. Um gegenseitig gestärkt, beruhigt und positiv gestimmt aus dem, manchmal sehr intensiven Gespräch zu gehen, sprechen sie sich gegenseitig noch einmal Dank und Wertschätzung aus. Welche positiven Eigenschaften und Kompetenzen hat man beim anderen wahrgenommen und beobachten können? Was schätzt man am anderen?

Dieser schrittige Aufbau eines „Thinking Environments“ lässt sich besonders bei den derzeitigen Herausforderungen optimal von der Teamleitung oder Führungskraft als akut Maßnahme anwenden, zum Beispiel per Video-Chat oder Einzelgespräch vor Ort. Eine der hilfreichsten akut Maßnahmen die viele Unternehmen einsetzen, sind vermehrte Kommunikation und Dialogräume mit Führungskräften anzubieten. Mit dem hier aufgeführten Leitfaden entwickeln sich diese Mitarbeitergespräche aber zu mehr als „miteinander sprechen und im Kontakt sein“.

„Hören Sie so gut zu, als ob Ihr Leben als Führungskraft davon abhängt.“  - Nancy Kline

Der Mitarbeitende wird so aktiviert und aus der Opferrolle geholt, erfährt Bestärkung in der eigenen Wirkungskraft und die positive Wirkung im sozialen Netzwerk. Die Führungskraft hingegen kann gänzlich unvorbereitet als Denk-Partner in das Denk-Gespräch gehen und muss sich einzig auf das aufmerksame Zuhören und das achtsame formulieren der Fragen konzentrieren.

Die aktuelle Krise als Chance und als Lernfeld zu nutzen? Es ist auf vielerlei Wege möglich. Der Ansatz des „Thinking Environments“ ist nur ein Zugang, und ein äußerst wirksamer.

Vielleicht direkt heute testen und mit einem Anstoß in der Familie, am Telefon mit Freunden oder im Teammeeting starten: «Was weißt du jetzt schon, das du in einem Jahr herausfinden wirst?»



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