Warum Work-Life-Balance das Burnout-Risiko verschärft

Lars Renner; Autor: Markus Frey

Zu Beginn der 80er Jahre hatte das Burnout-Syndrom als „Managerkrankheit“ einen ersten Höhepunkt bzgl. der medialen Aufmerksamkeit erreicht. Schon zuvor wurden v.a. Sozialberufe als Risikogruppen benannt und bis heute hat sich „Burnout“ geradezu zu einer Volkskrankheit entwickelt, auch wenn es im ICD, dem Krankheitenkatalog der WHO, gar nicht unter „Krankheiten“ gelistet ist.

Die Arbeit als Gegenpol des Lebens

Ein gutes Jahrzehnt nach der Geburt des Burnout-Begriffs im medizinischen Sinne wurde auch schon eine Lösung, wieder verbunden mit einem Schlagwort, präsentiert: Work-Life-Balance! Nicht nur der Begriff, sondern auch das damit verbundene Konzept sieht die Arbeit als Gegenpol des Lebens. Und damit kein Missverständnis aufkommt: Dass die Arbeit nichts mit dem Leben zu tun hat, ist hier nicht als Diagnose eines Zustandes zu verstehen, den man dann in der Folge wieder verbessern will. Man geht da ganz grundsätzlich davon aus, dass die Arbeit „etwas anderes ist“ und „abseits passiert vom Leben“(Wikipedia).

Arbeit als Störenfried

Wenn nun die Arbeit als Gegenpol und nicht mehr als integraler Bestandteil des Lebens betrachtet wird und andererseits ein voll Berufstätiger sieben, acht, neun und mehr Stunden täglich mit eben dieser Arbeit verbringen muss… dann ist das Einsetzen einer Unzufriedenheits- und Frustrationsspirale kein „Unfall“, sondern nur eine logische Folge. Und das unabhängig von so manchen Unannehmlichkeiten der Arbeitswelt, die dann noch dazu kommen. Zum Beispiel Mitarbeiter und Chefs, die genauso unzufrieden sind, wie man selbst, Leistungsdruck, angehäufte Überstunden usw.

Verschärfung des Burnoutrisikos

Diese Unzufriedenheits- und Frustrationsspirale ist eine wesentliche Grundlage für die weiter zunehmende Zahl an psychisch begründeten Krankheitstagen. Ich will damit selbstverständlich nicht sagen, dass es nur an diesem Begriff liegt. Aber Worte haben einen starken Einfluss auf uns und damit verfestigen wir eben eine Sichtweise, die das Burnoutrisiko nicht nur nicht überwindet… sondern sogar noch weiter verschärft!



Autoreninformation

Auch nachdem der Keynotespeaker und Autor Markus Frey in 2007 mit dem Hörbuch „Mit Stress zur Spitzenleistung“ zum ersten Mal einem breiteren Publikum bekannt geworden ist, hat er immer wieder mit Thesen provoziert, die etwas quer zur Zunft der Stress- und Burnoutexperten lagen. Zum Beispiel indem er gestressten Managern empfiehlt, ihre Zielorientierung auch im Privaten zu leben oder eben indem er aufzeigt, dass das Work-Life-Balance-Konzept genau zum Gegenteil dessen führt, was es zu bewirken vorgibt. Vor allem aber wird er nicht müde zu betonen, wie bedeutsam ein positiv erfahrenes Arbeitsleben nicht „nur“ für die Ertragskraft eines Unternehmens, sondern auch für die Gesundheit jedes einzelnen Menschen ist.

Passbild MFrey2

Markus Frey

frey@stressfrey.de



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