Was wollen Auszubildende wirklich?

Anne Glenk

Wir haben sie gefragt: Fast 75.000 Beschäftigte aus 675 Unternehmen aller Größen und Branchen haben im Jahr 2018 an der Great Place to Work® Benchmarkstudie zur erlebten Unternehmenskultur und Arbeitgeberattraktivität teilgenommen. Darunter war eine Vielzahl an Auszubildenden, die ihre Stimme zu Kulturfaktoren wie Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness sowie Stolz und Teamgeist abgegeben haben. Erstaunlicherweise zeigen die Ergebnisse, dass Life-Balance nicht der Garant für Zufriedenheit ist!

Doch was sind dann aus Sicht der Auszubildenden Treiber einer motivierenden und positiven Unternehmenskultur? Um diese Frage zu klären, wurden statistische Treiberanalysen durchgeführt mit dem Ziel, einzelne Indikatoren herauszustellen, welche das Erleben am Arbeitsplatz attraktiv oder weniger attraktiv machen und dementsprechend besonderen Einsatz und Engagement seitens der Auszubildenden fördern oder nicht.

Spaß bei der Arbeit: Nice-to-have oder ein Ausschlusskriterium?

„Spaß muss sein“ ist weit mehr als eine Redewendung. Dennoch verblüffend: „Spaß bei der Arbeit“ ist essentiell, um die Unternehmenskultur positiv zu erleben. Im Vergleich: 89% der Auszubildenden der besten Arbeitgeber Deutschlands stimmen der Aussage „Wir haben hier Spaß bei der Arbeit“ zu, wohingegen der deutschlandweite Durchschnitt bei 58% liegt.[1] Doch Spaß allein reicht nicht aus, um eine Atmosphäre zu schaffen, die Engagement und Tatendrang fördert, denn auch der Einsatz seiner persönlichen Fähigkeiten und Talente bei der Arbeit steht im direkten Verhältnis zur Zufriedenheit. Auszubildende, die sich mit der Mission des Unternehmens identifizieren, wollen ihre Skills aktiv einbringen – Unternehmen sollten hierauf reagieren und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. So sagen 86% Prozent der Auszubildenden, dass sie ihre Fähigkeiten optimal einbringen können – diesen Eindruck haben bei nicht ausgezeichneten Unternehmen nur 62%.

Regelmäßiges Feedback: Überbewertet oder unabdingbar?

Ein anderer bedeutender Faktor, der die Zufriedenheit der Auszubildenden erheblich vorantreibt, liegt in der Feedbackkultur. Nur wer kontinuierlich eine Rückmeldung zu seiner Leistung erhält, kann sich weiterentwickeln und verbessern. Die Auszubildenden sind sich ihrer Rolle als „Lernende“ bewusst und haben den deutlichen Anspruch, offenes und ehrliches Feedback zu erhalten. Sehr gute Arbeitgeber haben die Bedeutung von Feedback für ihre Auszubildenden erkannt – was aber bei weitem nicht für alle Unternehmen gilt, wie die Vergleichswerte veranschaulichen: 93% (Auszubildende sehr guter Arbeitgeber) versus 55% (Durschnitt nicht ausgezeichneter Unternehmen in Deutschland).

Andere Werte – schwindende Motivation?

Bereits Konfuzius wusste: „Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu schmieden“. Und auch die Befragung macht deutlich: Die Wertvorstellung der Auszubildenden muss mit dem Werte-Set der Unternehmen wirklich korrelieren.

Werte sind das Fundament einer jeden Unternehmenskultur. Auszubildende müssen sich mit ihnen identifizieren, um ihr Unternehmen als sehr guten Arbeitgeber zu bewerten. (Zustimmung bei den Auszubildenden der besten Arbeitgeber Deutschlands: 96%). Dieses Zusammenspiel dient nicht nur als wichtiger Orientierungspunkt der eigenen Arbeit und Stellung im Unternehmen; es ist darüber hinaus ein zentraler Motor für die Zufriedenheit der Auszubildenden.

High-End-Equipment oder Teamspirit?

Weitere Ursachen, die aus Sicht der Auszubildenden einen starken Einfluss auf die Empfindung des Arbeitsumfeldes haben, sind Qualitäten wie Teamspirit und Stolz. Zusammen an einem Strang ziehen, sich gegenseitig unterstützen und die gleiche Mission zu verfolgen, schafft ein Gefühl von Verbundenheit. Das Gefühl dieser Verbundenheit – Teamspirit – trägt im Unternehmen einen bedeutenden Anteil zur Zufriedenheit und Motivation bei. Dies zeigt sich erneut anhand deutlicher Zahlen: 85% der Auszubildenden bei ausgezeichneten Unternehmen geben an, „sich wie eine Familie zu fühlen“; bei durchschnittlichen deutschen Unternehmen bestätigen hingegen nur 53% einen guten Teamgeist.

Eng verbunden mit der Qualität Teamspirit ist auch das Gefühl von Stolz eine essentielle Triebfeder, um sein Unternehmen als sehr guten Arbeitgeber wahrzunehmen. Stolz auf die geleistete Arbeit zu sein und dadurch mit einem guten Gefühl am Ende des Arbeitstages nach Hause zu gehen, ist weit mehr von Bedeutung als beispielsweise die Möglichkeit zum Home-Office oder die Ausstattung mit modernstem Equipment. Die besondere Stellung, die das Empfinden von Stolz hat, unterstreichen die Zustimmungsdaten: 92% (Auszubildende bei sehr guten Arbeitgebern) versus 63% (Durschnitt Deutschland).

Auszubildende: Multiplikatoren mit Werteforderung

Die Generation Z wird als ‚flexibel‘, technikaffin‘ und ‚Life-balance-orientiert‘ beschrieben. Verblüffend ist, dass für Auszubildende Feedback und Wertschätzung, gemeinsame Ziele und Werte und auch Spaß an der Arbeit maßgebend sind – wie sie die Kultur erleben, entscheidet über Motivation und Zufriedenheit.

Im Wettstreit um Nachwuchskräfte reichen frisches Obst und ein Kickertisch daher nicht aus, um als guter Arbeitgeber zu punkten. In einem Zeitalter, in der die Digitalisierung neue, umfassende Wege der Transparenz öffnet, sind Meinungsbilder über echte (Kultur-) Eindrücke in Unternehmen Dreh- und Angelpunkt bei der Auswahl zukünftiger Arbeitgeber. Unternehmen sollten diese Chance nutzen und das Potential ihrer Auszubildenden als effektive Multiplikatoren erkennen. Sie können durch diverse Kanäle und Netzwerke die erlebte Attraktivität glaubhaft nach außen kommunizieren, ein wahrhaftes Bild der Arbeitsbedingungen zeichnen und die Kultur dadurch von außen erlebbar machen.



[1] Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Great Place to Work®



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