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Innovation im Lockdown: Not macht erfinderisch – begründet aber keine Kultur

Innovation im Lockdown


Coronakrise – Innovationsbooster oder Notfallmanagement?

Corona fordert uns die Routinen in allen Lebensbereichen zu verändern. Ein anhaltender Zustand der Veränderung mit Potential zur Innovation. Wie Branchen und Unternehmen auf diese disruptive Zeit reagieren, haben wir in einer Studie untersucht.

Nun haben wir leider auch in 2021 noch eine Weile mit den Herausforderungen der Coronakrise zu tun – und sicher sehnen alle den Wechsel aus dem Krisenmodus in den „New Normal“-Modus herbei. Dabei konnte man bisher insgesamt viele Beispiele für flexible Problemlösungen und Innovationen im Umgang mit der Krise erleben: Viele von uns arbeiten aus dem Home-Office und es funktioniert ganz gut einschließlich der Online-Weihnachtsfeier. Sehr viele Restaurants und Läden haben eine großartige Flexibilität bewiesen und agil Konzepte für Abstand, Hygiene, To-Go und Lieferung entwickelt und umgesetzt. Privat spielen wir Scrabble, machen Fitnesstraining oder Weinverköstigungen per Onlinekonferenz. Und die allermeisten von uns bleiben entgegen der sonstigen Gewohnheiten wie selbstverständlich auf Abstand zu ihren Mitmenschen - unterstützt durch Masken und Plexiglas. Da läuft in der Krise doch einiges anders als zuvor.

Die besondere Fähigkeit zur Innovation ist auch beim Management in den Unternehmen registriert worden. In einer Untersuchung* des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) bereits im Mai des letzten Jahres gaben 81% der Entscheider aus knapp 500 Unternehmen in ganz Deutschland an, die Krise habe sie gelehrt, dass Führungskräfte wie Mitarbeitende „mit großer Initiativkraft innovative Lösungswege erarbeiten können, wenn es notwendig wird.“

Das lässt doch hoffen, dass die Coronakrise für die Unternehmen in Deutschland ein „Booster“ für Innovationen und innovatives Verhalten in der Zukunft ist oder wird. Der Impuls aus der Krise könnte und sollte demnach eine Grundlage sein, Flexibilität und Innovation zu verstetigen und zur gelebten Kultur werden zu lassen. Dann hätte die Coronakrise an der Stelle zumindest etwas Gutes. Sind Innovationen und Innovationsfähigkeit doch mehr denn ja zentrale Faktoren für den Erfolg von Unternehmen und Organisationen. Biontech und die Pharmaindustrie lassen grüßen.

Wir wollten ganz genau wissen, wie Mitarbeitende in den Unternehmen in Deutschland das Thema Innovation in Zeiten von Corona erleben und haben 1012 Beschäftigte in einer repräsentativen Studie im August befragt. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Ergebnisse vor.

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland registriert innovative Lösungen im Umgang mit der Coronakrise.

Zunächst einmal immerhin: 55% der Beschäftigten in Deutschland sagen „Meine Organisation hat es geschafft, für die Schwierigkeiten der Coronakrise innovative Lösungen zu finden.“ Unterschiede nach Unternehmensgröße, Geschlecht oder Alter gibt es dabei kaum. Interessanter Weise sind hier auch entgegen dem sonst häufigen Muster die Unterschiede nach Hierarchieebene der Befragten relativ gering: Bei den mittleren Führungskräften erleben 58% innovative Lösungen und bei der kleinen Gruppe der oberen Führungskräfte 64%. Die unteren Führungskräfte sind mit 52% Zustimmung sogar etwas kritischer als die Mitarbeitenden ohne Führungsfunktion (55%). Mit Blick auf die anfangs erwähnte Studie des IAO zeigt sich hier möglicher Weise ein Gap zwischen „können“ und „tun“.

Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass Unternehmen aus IT (76% Zustimmung) und Finanzdienstleistung (71% Zustimmung) überdurchschnittlich abschneiden. Bereits weniger positiv jedoch überdurchschnittlich gut sieht es in den Branchen Bildung (63%), Pflege und Forschung und Entwicklung (je 60%) aus. Alle anderen Branchen fallen hier hinter ab (z.B.: Industrie, Energie, Bau, Umwelt mit nur 47% Zustimmung). Scheinbar werden Innovationen etwas stärker in den Branchen erlebt, die durch die Pandemie in besonderem Maße gefordert sind, vor allem aber in den Branchen, die qua Geschäftsgegenstand einem hohen Wandel unterliegen (IT) oder in den letzten Jahrzehnten große Umstrukturierungen durchgemacht haben (Finanzdienstleistungen).

Innovative Lösungen: Wer vorher schon innovativ war, ist im Vorteil

Für das Innovationserleben in der Krise scheint es insgesamt sehr relevant zu sein, ob man seine Organisation ganz grundsätzlich als innovativ einschätzt.

Insgesamt über alle Branchen hinweg halten 41% der befragten Beschäftigten Ihren Arbeitgeber für innovativ. Das gilt für Deutschland insgesamt und ist eine unzufriedenstellende Situation, die wir bereits in einer Studie im Jahr 2019 festgestellt haben.

Für die Frage nach innovativen Lösungen in der Coronakrise macht der zuvor erlebte Innovationsgrad einen sehr großen Unterschied: Mehr als 80% der bereits zuvor innovativ erlebten Unternehmen, scheinen auch in der Krise innovative Lösungen gefunden zu haben. Bei den wenig oder nicht innovativen Unternehmen sind es nur 22%.

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Also, vereinfacht gesagt: Wer vorher innovativ agiert, handelt auch in der Krise innovativ. Das ist nicht ganz überraschend. Nichtsdestotrotz ist die Hoffnung erlaubt, dass in der Not auch die innovationsfernen Unternehmen beweglicher und lösungsorientierter werden. Nun: Man kann es ja auch positiv sehen, dass 22% der Beschäftigten, die ihre Organisation eher nicht innovativ erleben, konstatieren, dass in der Krise doch etwas geht. Für die verbliebenen knapp 80% Prozent an Unternehmen wird es dagegen noch schwerer die Krise erfolgreich zu meistern.

Innovationsbereitschaft: Nur 39 Prozent erleben durch die Krise eine deutliche Erhöhung

Da die Innovationsfähigkeit in der Krise durchwachsen ist, wie verhält es sich mit der Innovationsbereitschaft. Hier gibt es mehr Ernüchterung: Nur noch 39% der Beschäftigten geben an, dass die Bereitschaft ihrer Organisation zur Innovation durch die Coronakrise deutlich gewachsen ist.

Dabei zeigt sich jetzt ein deutlicher Hierarchieeffekt. Sehen von den Beschäftigten ohne Führungsfunktion nur 36% im Unternehmen die Bereitschaft, die Dinge zukünftig anders und besser zu machen, sind es im Topmanagement 63%. Auch den Wert kann man sich höher vorstellen. Vor allem ist hier aber zu wünschen, dass sich der größere Optimismus der oberen Führungskräfte auch praktisch realisiert. Die damit verbundene Haltung gilt es in die gesamte Organisation zu tragen, sonst werden die für den Innovationserfolg wichtigen Beschäftigten nicht mitgenommen.

wichtige guppen fuer den innovationserfolg

Positiv ist sicherlich, dass die Bildungsbranche mit 64% mit Abstand die größte Bereitschaft zur Innovation zeigt. Angesichts der aktuellen Verhältnisse und neuen Bedürfnisse im Bildungsbereich ist das aber auch nicht verwunderlich. Weiterbildung und Schule muss in Zeiten und im Nachgang von Corona ganz offensichtlich neu und digital gedacht werden. Die hier gezeigte Bereitschaft wird nicht zuletzt durch Gesellschaft und Politik forciert. Gleichzeitig sind die entsprechenden Möglichkeiten und Potenziale insbesondere in der betrieblichen Weiterbildung in der Krise auch gleich vielfältig und überwiegend positiv erlebbar.

Auch bei der Innovationsbereitschaft zeigt sich, dass die ohnehin schon innovativen Unternehmen deutlich bessere Werte erreichen (61%), während eher träge Unternehmen hier auch für die Zukunft wenig Energie erkennen lassen (16%). Wer aktuell gut ist, der ist angesichts der Krise überdurchschnittlich bereit noch mehr zu tun und noch besser zu werden.

geringe bereitschaft fuer innovation

Wen es schlecht trifft, der findet nur wenig Energie zur Veränderung

Richtig bedenklich wird es, wenn man die Innovationsbereitschaft mit der Betroffenheit durch die Coronakrise kombiniert. Hier zeigt sich: Wen die Krise mit negativen Folgen trifft, dessen Innovationsbereitschaft ist deutlich geringer. In Unternehmen, die sehr negativ von der Krise betroffen sind, erleben nur in 30% der Fälle die Befragten eine deutlich größere Innovationsbereitschaft. Sind die Folgen sehr positiv wird in 63% der Fälle weitere Innovationsbereitschaft erlebt. Das würde man sich für die negative Betroffenheit anders wünschen. Probleme sollten zu Veränderungsdenken führen. Scheinbar ist es aber nur bei wenigen Organisationen der Fall. Die Beanspruchung mit den Problemen fertig zu werden, scheint größer zu sein als der Spielraum, die Dinge zukünftig anders zu machen.

Ein Lichtblick: Immerhin schaffen es 42% der Unternehmen, die sehr negativ von der Krise betroffen sind, innovative Lösungen für die konkreten Schwierigkeiten zu finden. Im Angesicht der Not ist die Fähigkeit innovativ zu handeln, also größer, als es beim Blick auf die allgemeine Innovationsfähigkeit scheint.

loesungen und bereitschaft im bereich innovation

Insgesamt zeigt sich: Nachhaltige Innovation ist eine Frage der Kultur und nicht des Krisenmanagements

Die Krise ist ein Ort um innovative Lösungen zu suchen und zu finden. Sie zwingt manches Unternehmen sicherlich auch dazu, weil der Weg, auf in vielen Jahren bewährte Geschäftspraktiken, Produkte, Leistungen und Formen der Zusammenarbeit zu setzen, verbaut ist und vielleicht auch verbaut bleiben wird.

Etwa die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland erlebt, dass ihre Unternehmen im Angesicht der konkreten Herausforderungen der Coronakrise innovative Lösungen finden können. Die Idee jedoch, dass die Coronakrise Beschleuniger einer nachhaltigen Innovationsfähigkeit sein kann, muss bisher skeptisch beurteilt werden. Die dazu erforderliche, erhöhte Innovationsbereitschaft zeigen vor allem Organisationen, die vorher bereits innovativ waren und positiv von der Krise betroffen sind.

Die Guten werden daher besser und die anderen drohen weiter zurückzufallen. Hier ist es wünschens- und empfehlenswert, dass spätestens, wenn die Unternehmen etwas Boden der neuen Normalität unter den Füßen haben, die disruptive Erfahrung der Coronakrise genutzt wird und man sich auf den Weg macht, die eigene Innovationsfähigkeit auf ein gutes Niveau zu bringen. Je früher, desto besser.

Die Coronakrise zeigt auch, dass erfolgreiche Innovation letztlich eine umfassende und nachhaltige Innovationskultur braucht, die von allen Beschäftigten getragen und gelebt werden muss. Dem Topmanagement und den Führungskräften kommt es zu, den Entwicklungsprozess dazu zu initiieren und ihm Kontinuität zu geben.

Great Place to Work® Deutschland hat mit Great Culture to Innovate® ein Instrument zur Förderung innovationsstarker Unternehmenskulturen durch Nutzung der Potenziale der Mitarbeitenden entwickelt. Im Rahmen einer Initiative mit dem Handelsblatt wird das Instrument in einer jährlichen Untersuchung eingesetzt. Erfahren Sie mehr auf unserer Website.

great culture to innovate

Quellen:

*Arbeiten in der Corona-Pandemie– Auf dem Weg zum New Normal( https://www.dgfp.de/fileadmin/user_upload/DGFP_e.V/Medien/Publikationen/2020/2020_Studie_Arbeiten_in_der_Corona_Pandemie_auf_dem_Weg_ins_New_Normal_IAO.pdf )

Studie des Fraunhofer IAO in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Personalführung DGFP e.V.

 

Teaserbild: Photo by visuals on Unsplash



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